Innovationen für nachhaltiges Wirtschaften und Leben

Modellregion

Ausgangssituation und Hintergrund von BioökonomieREVIER

Im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus dem Braunkohleabbau (Strukturwandel) muss das Rheinische Revier ein neues Profil gewinnen. Neue Optionen für Wertschöpfung sollen etabliert und ausgebaut werden. Sichere Arbeitsplätze, Wohlstand und Identität sind wichtige Voraussetzungen für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufbruch der Region. Zukunftsfähigkeit entscheidet sich aber auch durch einen nachhaltigen, ressourcen- sowie klimaschonenden Lebens- und Arbeitsstil. Dazu sind sowohl die ideologiefreie Technologieentwicklung und ihre auf die Ziele der nachhaltigen Bioökonomie ausgerichtete Implementierung, aber auch der Dialog über Zukunftsbilder mit den zahlreichen Akteuren der Region notwendig.

Kurz-, mittel- und langfristig sollen neue Chancen über die nachhaltige Bioökonomie im Revier realisiert werden, die heute und zukünftig die Region für die Bevölkerung als Lebens- und Arbeitsregion attraktiv machen. Die Implementierung einer nachhaltigen Bioökonomie auf Basis der vorhandenen Stärken bietet die Grundlagen für eine Gesamtstrategie für das Rheinische Revier ohne Strukturbrüche. Sie hat nichts weniger als den Wandel der Wirtschaftsform zum Ziel und verknüpft Klima- und Ressourcenschutz mit der Energiewende unter einem gemeinsamen Leitthema. Denn auch biobasierte Produktionsverfahren und technische Anlagen wie z.B. in der Lebensmittelindustrie, Bioraffinerien oder auch innovative, biobasierte Produkte in der Chemie erfordern als „energieintensive Industrien“ (Studie IHK Aachen1) eine verlässliche, ausreichende und nachhaltige Energieversorgung sowie eine umweltfreundliche Ver- und Entsorgung mit Wasser und anderen Rohstoffen.

Bioökonomie im Sinne dieses Konzepts umfasst „die Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen (auch Wissen), um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschafts-systems bereitzustellen“ und damit den Strukturwandel im Rheinischen Revier nachhaltig mitzugestalten. Die Bioökonomie hat somit ein Wirtschaftskonzept als Ziel, das den scheinbaren Widerspruch zwischen Nutzung und Schutz natürlicher Ressourcen in praktischen Ansätzen aufzulösen verspricht. Ein wesentliches Element hierfür ist die Regionalisierung von Bioökonomie-Ansätzen,die auf regionalen Stärken aufbauen. So lassen sich vielfältige regionale Akteure und Entrepreneure aktivieren und damit regional verankerte Lösungsansätze umsetzen. Diese tragen dann auch zur Lösung globaler gesellschaftlicher Herausforderungen wie dem Klimawandel oder der demographischen Entwicklung bei.

Tagebau Inden

Blick vom Restaurant Indemann über den Tagebau und die landwirtschaftlichen Nutzflächen

 

Zur erfolgreichen und nachhaltigen Transformation des Reviers vom Braunkohle- zum BioökonomieREVIER bedarf es kurz-, mittel- und langfristiger Maßnahmen und einer abgestimmten Regionalstrategie. Dadurch soll das in der Region vorhandene Potential gehoben werden, um Standorte/ Räume in eine zukunftsorientierte Nutzung zu überführen, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen und nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweisen zu etablieren. Die Vision und der Ausgangspunkt für eine Modellregion Nachhaltige Bioökonomie wurden oben bereits ausführlich beschrieben. Im zweiten Teil dieses Antrags werden Maßnahmen für den Strukturwandel beschrieben, die konkret im Sofortprogramm angegangen werden sollen, um eine in der Region zwischen den Akteuren (Stakeholdern) abgesprochene Regionalstrategie zu entwickeln.

Aussichtsreiche Themenfelder für das BioökonomieREVIER

  1. der Auf- und Ausbau der digitalen Landwirtschaft/Züchtung für ressourcenschonende und innovative Produktion,

  2. die Optimierung und der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf marginalen Böden (u.a. in den Tagebaurestflächen),

  3. die Verbesserung der Ressourcen-Nutzungseffizienz von Nutzpflanzen,

  4. die innovative Nutzung der noch über Jahrzehnte vorhandenen Tagebau-Restflächen und der zukünftigen Seen auch als Produktionsort,

  5. die möglichst regionale Schließung von Stoffkreisläufen,

  6. die Inwertsetzung von Stoffströmen aus Nahrungs- und Futtermittelproduktion, Nebenströmen der Landwirtschaft (z.B. CO2 aus Biogasanlagen, komplexe organische Gemische aus der regional starken Nahrungs- und Futtermittelindustrie, aus Biogasanlagen oder Bioraffinerien) zu Grundstoffen,

  7. innovative Ansätze zur biobasierten Umwandlung von nachwachsenden Rohstoffen in hochwertige Chemikalien, Nahrungsergänzungsmittel und Pharmazeutika in enger Kooperation von Wissenschaft und KMU,

  8. die Kopplung der Bioökonomie mit in der Region erzeugten, regenerativen Energien („Überschuss“-Strom und Wasserstoff), um Wertstoffe aus Biomasse zu produzieren,

  9. innovative Ansätze in mikrobieller Stamm- und Prozessentwicklung, Züchtung und Landwirtschaft durch die Nutzung von Data Sciences, Miniaturisierung, Robotik, Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung.

Mittel- und langfristig werden Forschungs- und Innovationsthemen fortgeführt, wobei zunehmend Wirtschaft und Gesellschaft tragende Rollen bei der Ausrichtung des BioökonomieREVIER im Strukturwandel übernehmen werden. Angesichts des Potentials der Bioökonomie und der zahlreichen betroffenen Wirtschaftsbereiche und nicht zuletzt auch angesichts der politisch-gesellschaftlichen Notwendigkeit, Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Umsetzung der Energiewende zu forcieren, besteht eine hohe potentielle Strukturwirksamkeit. Die Startvoraussetzungen sind im Rheinischen Revier sehr vorteilhaft; die wirtschaftlichen, technologischen und infrastrukturellen Stärken zur Entwicklung einer Modellregion BioökonomieREVIER Rheinland sind vorhanden. Weltweit stellt sich die große Aufgabe, eine Steigerung der Wirtschaftskraft mit der Absenkung der Emission von Klimagasen zu verbinden.

Für viele dieser Themen gibt es bereits Akteure in der Region. Es glt nun diese zu stärken oder miteinander zu vernetzen. Ebenso sollen die teilweise schon intensiven Kooperationen zwischen Forschung und Unternehmen in der Region weiter ausgebaut und Richtung Anwendung und Marktwirksamkeit entwickelt werden. Es gilt neue Unternehmen durch attraktive Implementierungs-optionen anzusiedeln und aus dem großen Pool innovativer Akteure Unternehmensgründungen zu realisieren. Durch die Landnutzung in der Region (Landwirtschaft, nachwachsende Rohstoffe, Kreisläufe schließen) ergeben sich aktiv zu gestaltende Verbindungen zur Landschafts- und Regionalplanung.

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